Woher kam die Motivation zum Kriminalroman

"Der Vampir vom Niederrhein - Peter Kürten"?

Der Serienmörder Peter Kürten, der im Jahre 1929 in Düsseldorf acht Kinder und Erwachsene brutal ermordete und ihr Blut trank, wurde seit seiner Festnahme im Jahre 1930 unzählige Male in der Literatur, in der Musik und auch im Film dargestellt.

Jedes Werk zeigt ihn von einer anderen seiner grausamen Seiten. Die wohl bekannteste Adaption des Themas ist der Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang, der im 21. Jahrhundert selbst schon zur Filmfigur geworden ist.

Die Frage, warum ich mich in den Jahren 2015 und 2016 noch einmal so intensiv mit dem Charakter des Serienmörders Peter Kürten auseinandergesetzt haben, wird mir regelmäßig auf Lesungen und in den sozialen Medien gestellt.

Meine Antwort ist so einfach wie sie gleichzeitig für viele Menschen gruselig anmutet und durchaus auch heute noch einen Schauer über den Rücken jagen kann:

Ich bin als Kind an einigen der Tatorte aufgewachsen. Die letzten Wege, die das erste Düsseldorfer Mordopfer, ein 8-jähriges Mädchen ging, sind mir bestens bekannt. An der Stelle, an der sie zuletzt mit Freundinnen gespielt hat, steht meine alte Grundschule. An der Stelle, an der sie sich endgültig von einer ihrer Freundinnen verabschiedet hat, war viele Jahre mein Kinderzimmer. An der Stelle, an der ihre Leiche gefunden worden ist, steht noch heute das Kettwiger Schwimmbad, in dem ich als 5-jährige schwimmen gelernt habe.

Viele Menschen, die das Jahr 1929 selbst miterlebt hatten, haben in den 70er Jahren noch gelebt, als ich dort aufgewachsen bin. Der Fall um das erste Opfer im Karneval 1929 hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.

Schließlich führte mich mein Schulweg zum Gymnasium dann in das angrenzende Stadtteil – vorbei an weiteren drei Tatorten des Jahres 1929. Viele der Opfer des Vampirs von Düsseldorf wurden im Umfeld an für Düsseldorfer Kinder neuralgischen Orten wie dem Stadtwald und der Großen Kirmes am Rhein gefunden. Schließlich lockte der Vampir sein letztes Opfer, ein 5-jähriges Mädchen, sogar bei helllichtem Tag vom Spielen auf der Straße fort – auch auf dieser Straße habe ich als Kind mit anderen Kinder gespielt.

Zum Schluss bleibt nun die Frage, warum ausgerechnet ich unter vielen Tausend Menschen, die bis heute an diesen Orten aufgewachsen sind, das Thema zum Kriminalroman gemacht habe. Fast jeder dieser vielen Menschen kennt Geschichten vom Hörensagen und Gerüchte rund um den Serienmörder Peter Kürten und seine Opfer. Vielleicht hat mir das Schicksal die Idee geschickt, den Fall zur Abwechslung einmal nicht aus Sicht der Kriminalpolizei zu schreiben, sondern den normalen Menschen eine Stimme zu geben. Diese Frage wird letztendlich wohl so ungeklärt bleiben wie die Frage, warum das 8-jährigen Mädchen seinem Mörder an diesem frühen Karnevalsabend über den Weg getraut hat. Obwohl der Fall aus dem Jahr 1929 schon von so vielen Menschen erzählt worden ist, bleiben bis heute trotz der umfangreichen Akten im NRW Landesarchiv zahlreiche Fragen für immer offen. Die Verhörprotokolle, die Aussagen überlebender Opfer und Zeugen lassen keine 100 prozentige Rekonstruktion der Geschehnisse zu, aber sie lassen die Taten dank der akribischen Aufbereitung durch Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft, Presse und Gericht jederzeit wieder lebendig werden. Ich habe mit „Der Vampir vom Niederrhein – Peter Kürten“ eine neue Seite in der Reihe der Adaptionen des Themas aufgeschlagen und den Opfern noch einmal zur Aufmerksamkeit verholfen. Die Geschichten vom Hörensagen aus dem Jahr 1929 werden aber auch nach dem Schreiben des Kriminalromans für immer ein Teil meiner Kindheit und der Kindheit vieler anderer Menschen bleiben.